ADSB – oder wie ich dazu kam

Gleich mal vorweg, ADSB ist keine Krankheit. ADSB heißt Automatic dependent surveillance—broadcast (ADS–B). Auf deutsch etwa Automatische Aussendung zugehöriger/abhängiger Beobachtungsdaten. Das ist ein System der Flugsicherung zur Anzeige der Flugbewegungen im Luftraum. Die Luftfahrzeuge bestimmen selbständig ihre Position, beispielsweise über Satellitennavigationssysteme wie GPS mit European Geostationary Navigation Overlay Service und GLONASS. Die Position und andere Flugdaten, wie Flugnummer, Flugzeugtyp, Zeitstempel, Geschwindigkeit, Flughöhe und geplante Flugrichtung werden kontinuierlich – typischerweise einmal pro Sekunde – ungerichtet auf 1090 MHz abgestrahlt.

RTL-SDR

So, jetzt mal von vorne. Wie kam ich dazu. Es ist Winter, man verbringt mehr Zeit im Haus und so stieß ich auf SDR. Was ist das jetzt wieder? SDR bedeutet Software Defined Radio. Es gibt billige Sticks zu kaufen auf Basis des Realtek RTL2832 Chips. Diese wurden massenhaft produziert für den Empfang von Fernsehen über DVB-T. Die Empfänger sind ungefähr so groß wie ein USB Memorystick. Dann kam jemand dahinter, das man damit auch viele andere Frequenzen empfangen kann. So wurde das SDR geboren. Ich habe mir einen RTL2832 Stick für 14 Euro gekauft. Das Ding kann Frequenzen von ~25 bis ~1700 MHz empfangen. Ein unglaublich großer Bereich. Zuerst hab ich mal Rundfunksender auf UKW ausprobiert. Das ist einfach und als Antenne genügt ein Stück Draht, weil die Sender sehr stark sind. Dann hab ich versucht auch andere Sender zu empfangen und habe bald bemerkt das ein SDR-Stick auf Basis des RTL2832 Chips nicht das allerbeste auf dem Markt ist. So habe ich mir einen AirspyMini auf Basis des R820T Chips gekauft. Der ist wesentlich besser, hat dann aber auch 138 Euro gekostet. Der ist aber wirklich jeden Cent wert.

Airspy mini

Kein Vergleich zu dem Billig-Produkt. Die Empfindlichkeit war viel besser und die zugehörige Software SDR# ist auch so ziemlich das Beste was es auf dem Markt gibt. Kommt ja auch aus dem gleichen Haus. Er wurde aber im Betrieb relativ warm. Da das weder für die Frequenzstabilität noch für die Alterung der Bauteile gut ist, habe ich mir eine einfache wie wirkungsvolle Verbesserung überlegt. Ein altes Kühlblech mit einem Gummiring auf den Stick gepackt und er wurde nicht mal mehr handwarm. So sieht das dann aus:

Jetzt konnte ich loslegen. Auf der Suchen nach interessanten Sendern kam ich auf ADS-B. Ich dachte mir das probierst Du mal aus. Flugzeuge senden ihre Positionsdaten und noch einiges mehr. Für jedermann frei empfangbar. (ich weiß das es das alles und wohl auch besser auf https://www.flightradar24.com/ gibt) aber die Faszination der Technik ist für mich sehr hoch. Die erste Antenne gebaut, ausprobiert und es hat funktioniert. Jetzt war das Fieber da. Ich habe verschiedene Antennen gebaut, aber die Erste war die Beste, warum auch immer.

Ich habe aus dem Viertelwellenstrahler in Bild eins noch eine Groundplane gemacht, sie hat aber, aus mir nicht verständlichen Gründen, ein schlechteres Ergebnis gebracht. Der kleine Stab funktioniert am Besten!

Die nächste Verbesserung brachte ein LNA. Was ist das jetzt wieder. LNA bedeutet Low Noise Amplifier. Ein Vorverstärker für das schwache Antennensignal. Direkt an der Antenne montiert, vom Airspy mit Spannung versorgt, verbesserte er den Empfang enorm.

Die Antenne ist mittlerweile auf der Terasse montiert um eine möglichst freie Sicht auf den Himmel zu ermöglichen. Denn die Empfangsfrequenz von 1090 MHz hat fast optische Ausbreitungseigenschaften. Außerdem habe ich ein RG213 Kabel (3,70 € / m) verlegt, um die Verluste möglichst gering zu halten.

Damit sehe ich das Signal eines Flugzeuges bereits hinter St. Pölten in Österreich, bis nach Monfalcone am Mittelmeer oder bis Cham südlich von Zürich. Diese Orte sind alle über 300 Kilometer Luftlinie entfernt, das ist schon was. Auf dem Bild sieht man Entfernungsringe, alle 25 Kilometer einen, der letzte ist bei 200 Kilometern. Hinter jedem Flugzeug sieht man seinen zurückgelegten Kurs, Höhe und Callsign.

95 Flugzeuge

Freitag Nachmittag ist ordentliches Gedränge am Münchner Flughafen.Wenn ich mich nicht verzählt habe, sind es gerade 15 Flugzeuge die brav aufgereiht den beiden Landebahnen zustreben.

Zum Abschluss noch etwas zum schmunzeln. Der Pilot hatte wohl Schwierigkeiten den Münchner Flughafen zu finden 😉

Die verwendete Hardware: Airspy Mini, LNA4ALL von Adam 9A4QV, DIY Antenne.

Die verwendete Software: ADSBSpy#, Virtual Radar Server.

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2 Antworten zu ADSB – oder wie ich dazu kam

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