Der eigene Wein

Ich habe auf meiner Terrasse eine alte Weinrebe. Die Sorte ist Burgunder, es sind also rote Trauben. Nachdem die Rebe gut trägt, habe ich mich letztes Jahr entschlossen, einmal selbst Wein herzustellen. Im Frühsommer konnte man schon sehen, dass es dieses Jahr eine gute Ernte würde:

Jetzt musste man nur noch warten, bis sie reif wurden und ihre schöne blaue Farbe bekommen, denn zu Beginn sind sie grün wie andere Trauben auch.

Mitte September begann ich dann, mit einem Refraktometer den Zuckergehalt der Trauben zu messen. Wünschenswert wären so um die 90 Grad Oechsle. Da sich aber Mitte September sehr viele Wespen an den Trauben erfreuten und sie damit kaputt machten, entschloss ich mich, die Trauben am 20. September zu ernten. Sie hatten zu dem Zeitpunkt erst 62 Grad Oechsle und so musste ich am Ende zwei Kilo Zucker zugeben, um auf den gewünschten Wert zu kommen. Dieser bestimmt ja den Alkoholgehalt des späteren Weines. Das Entrappen, also die Trauben von den Stielen zu trennen, sie anzuquetschen und in das Maischefass zu bringen, war eine ganz schöne Arbeit.

Bei Rotwein wird üblicherweise eine Maischgärung durchgeführt, damit sich die rote Farbe entwickeln kann, die nur in den Schalen enthalten ist. Würde man die Trauben gleich pressen und in einen Gärballon tun, würde man Weißwein erhalten.

Nach drei Tagen Kaltmazeration setzte ich der Maische die Reinzuchthefe bei, die den Gärprozess in Gang bringt. Dabei maß ich jeden Tag den Zuckergehalt und zeichnete diesen in einer Gärkurve auf um zu sehen, wann die Hefen den Zucker in Alkohol umgewandelt hatten.

Nachdem die Gärung abgeschlossen war, presste ich die Maische ab und füllte den Saft in einen Gärballon. Das war eine ordentliche Sauerei in der Küche.

Im Gärballon durfte der Wein das letzte bisschen noch gären und im Anschluss in Ruhe reifen. Dabei setzten sich auch die Trübstoffe ab und nach einigen Wochen füllte ich den nun klaren Wein in Flaschen ab.

Zwölf Liter sind es letztlich geworden. Den trüben Rest im Gärballon habe ich weggekippt. Hätte man natürlich noch filtern können, aber dazu hatte ich dann auch keine Lust. Einige Flaschen habe ich mittlerweile schon konsumiert. Es ist zwar kein Spitzenwein geworden, aber ich weiß jetzt, welche Fehler ich gemacht habe und werde sie in der kommenden Saison nicht wiederholen. Dann – und wenn das Wetter mitspielt – wird es sicher ein sehr guter Jahrgang 2019!

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