Prag – Tag 5

Das Wetter ist heute nicht so berauschend. Morgens nieselt es immer wieder. Gegen 10 Uhr scheint es aber stabil trocken zu bleiben und ich starte meine heutigen Erkundungen in der Stadt. Am Plan stehet der Stadtteil Josefov und der alte jüdische Friedhof.

Mit der Tram 17 geht es von Výtoň in nur neun Minuten zur Station Staroměstská. Die Station liegt direkt an der Akademie der Kunst (Universität). Von dort sind es noch ca. 200 Meter bis zum alten jüdischen Friedhof, meinem ersten Ziel. An der Kasse kann man unterschiedliche Touren buchen. Ich entscheide mich für die mittlere Tour ohne den Besuch der Alt-Neu Synagoge. Regulär kostet sie 330 Kronen, ich bekomme durch meinen Behindertenausweis einen Nachlass und zahle nur 50 Kronen. Das ist doch schon mal was.

Bevor es auf den Friedhof geht, besuche ich die Pinkas-Synagoge direkt am Eingang. Die Synagoge wurde 1954–1959 in eine Gedenkstätte für den Holocaust umgewandelt, für die jüdischen Bürger der Tschechoslowakei, die während des Zweiten Weltkrieges umgekommen sind. In den Jahren 1992–1996 wurden rund 80.000 Namen von tschechischen und mährischen Juden, die unter den Nationalsozialisten ermordet worden sind, händisch auf die Wände der Synagoge geschrieben. Eine tief beeindruckende Stätte.

Der Alte Jüdische Friedhof in Prag ist einer der bekanntesten jüdischen Friedhöfe in Europa. Er liegt im ehemals jüdischen Viertel Josefov der Prager Altstadt und geht auf die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts zurück. Trotz seiner kleinen Fläche von nur ca. 1 ha enthält er über 12.000 Grabsteine und vermutlich die Gebeine von 100.000 Menschen. Der Friedhof entspricht bis heute nahezu seinen mittelalterlichen Ausmaßen, da es im Ghetto keine Erweiterungsmöglichkeiten gegeben hatte. Aus Platzmangel begrub man die Verstorbenen in bis zu zwölf Schichten, was mit den Jahrhunderten ein für heutige Begriffe fast malerisches Auf und Ab des Erdbodens zur Folge hatte. Ich bin beeindruckt von den vielen Grabsteinen, die wie wild durcheinander gewürfelt eng gedrängt stehen. Ich finde auch das Grab von Rabbi Löw, einem bekannten Rabbiner, Talmudist, Prediger und Philosoph des 16. Jahrhunderts, dem der Legende nach die Erschaffung des Golem zugeschrieben wird.

Im Anschluss besuche ich noch die Maisel-Synagoge und die Spanische Synagoge, beide beeindrucken mich tief. Nicht nur von ihrer Schönheit, sie strahlen so viel aus, was ich leider mit Worten schlecht beschreiben kann.

Pariser Straße

Auf meinem Weg zu den verschiedenen Synagogen quere ich auch die Pariser Straße. Die Pariser Straße gilt als die luxuriöseste Einkaufsmeile in Prag. Auf dem etwa 660 Meter langen Boulevard, der vom Altstädter Ring zur Brücke Čechův most führt, ist so ziemlich alles versammelt, was Rang und Namen hat in der internationalen Modewelt. Das ist aber nicht meine Welt und so mache ich mich auf den Weg zur Nikolaus Kirche im Stadtteil Kleinseite.

Dazu gehe ich zu Fuß zurück zur Brücke Mánesův most, die genau zwischen der Akademie der Kunst und dem Rudolfinum liegt und überquere diese. Mittlerweile regnet es leicht. Mein Plan ist auf der anderen Seite die Tram 22 zur Nikolaus Kirche zu nehmen. Die ist ja nur eine Haltestelle entfernt.

Die Nikolaus Kirche ist ein beeindruckender Sakralbau, aber 70 Kronen Eintritt verlangen für eine Kirche, in der man von der Kasse aus die Baugerüste im Inneren stehen sieht, fand ich dann doch schon unverschämt. Ich drehe um und gehe wieder. Jetzt meldet sich der Hunger und das Olympia, in dem ich gestern zum Essen war, ist auch nur zwei Stationen entfernt. So nehme ich die nächste Tram und bin in Kürze im Restaurant. Als ich die Speisekarte studiere, spricht mich vom Nachbartisch ein älteres tschechisches Ehepaar an und macht mich darauf aufmerksam das es bis 15 Uhr ein verbilligtes Mittagsmenu mit Suppe und Hauptgericht gibt. Da ich nicht tschechisch spreche hätte ich das alleine natürlich nie entdeckt. Ich freue mich sehr über den Tipp und ordere eines der drei Menus, die es zur Auswahl gibt. Es ist wirklich gut, Hühnerbrust mit Speck und Käse mit Bratkartoffeln, und ich bezahle gerade mal umgerechnet 6,40 Euro für das Essen und 0,5 l Pilsner Urquell.

So gesättigt gehe ich zurück zur Tram Station, der Nieselregen hat mittlerweile wieder aufgehört, und fahre zurück in die Wohnung. Ich fahre jetzt nicht mehr zur Haltestelle Výtoň sondern zur Albertov. Das ist auch etwas näher zur Wohnung und ich kann jeden Tag beobachten, wie die Gleisbauarbeiten in der Na Slupi voranschreiten.

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