Prag – Tag 4

Heute bin ich müde und etwas unentschlossen, was ich tun soll. Gegen 11 Uhr raffe ich mich auf, einfach mal loszugehen, das Leergut in den Altglascontainer zu bringen und Briefmarken für meine Postkarten zu kaufen. In dem Laden, in dem ich die Postkarten kaufte, sagte man mir, dass ich Briefmarken in der Trafik (Tabakladen) bekommen würde. Gleich hier ums Eck ist so ein Laden, doch die freundliche Asiatin, die dort bedient, lehnt mein Begehren ab. Bei ihr bekomme ich keine Briefmarken. Aber da gäbe es eine Poststation, erklärt sie, immer geradeaus die Straße lang.

Also mache ich mich auf den Weg in die angegebene Richtung. Da nach einiger Zeit noch keine Post in Sicht kommt, spreche ich einen jungen Mann auf Englisch an. Dieser antwortet mir in fast perfektem Deutsch: Ja, noch ca. 500 Meter auf dieser Straße. Also laufe ich weiter. Es geht steil bergauf, aber egal, so weit sind 500 Meter ja nicht, dass es nicht zu schaffen wäre. Kurz vor dem Karlsplatz (Karlovo Náměstí) frage ich noch einmal eine Passantin auf Englisch, ob denn hier wirklich eine Postfiliale kommt. Sie bejaht und sagt, dass es nicht mehr weit sei. Unsere Konversation hat eine andere Dame mitgehört und sagt, ich solle mit ihr mitkommen, sie würde mich zu der Post bringen. Ihr perfektes Englisch kommt nicht von ungefähr, auf unserem Weg erzählt sie mir, dass sie Britin sei. Da ich gut Englisch spreche, entwickelt sich schnell eine nette Konversation. Wir erreichen auch bald die Filiale, wo wir uns verabschieden.

In der Post sitzen geschätzt 50 Menschen mit einer Nummer in der Hand und warten darauf, dass ihre Nummer auf der Anzeige erscheint. Das ist mir doch zu blöd. Ich stelle mich vor den Automaten, an dem man eine Nummer ziehen kann. Dabei muss man aber angeben, was man zu erledigen hat. Ich stelle mich ziemlich dumm und schon kommt eine Mitarbeiterin der Post, um mir zu helfen. Sie sieht natürlich, dass ich behindert bin und erklärt sich bereit, die Briefmarken gegen Bargeld für mich zu besorgen. Keine zwei Minuten später ist alles erledigt, ich stehe wieder auf der Straße und überlege, was ich jetzt tun soll.

Ich nehme die Tram Nr. 18 zurück zur Wohnung, denn im Moment wechseln sich Sonne und Nieselregen gerade ab, und ich bin unschlüssig, wie ich den weiteren Tag verbringe. An der Haltestelle Albertov steige ich aus und überlege kurz, ob mich ein paar Wolken von meinem Plan, in dieser Woche Prag zu erkunden, abhalten könnten. Also steige ich in die nächste Tram Nr. 17 an der Výtoň und ab geht’s zum Nationaltheater. Wenn ich nicht so unentschlossen gewesen wäre, hätte ich auch in der 18 sitzen bleiben können, die fährt auch zum Nationaltheater. Egal – am Theater angekommen, steige ich in die 22 um, die zur Prager Burg fährt. Die Prager Burg (Pražský hrad) bildet das größte geschlossene Burgareal der Welt und liegt auf dem Berg Hradschin.

Vor dem Eingang zur Burg wartet eine große Menschenschlange. Stehen sie vor einer Kasse? Nein, es ist eine Sicherheitskontrolle wie am Flughafen, mit Scanner und Rucksack durchsuchen. Naja, sie werden ihre Gründe haben und es dient ja unserer Sicherheit. Es dauert aber nicht lange, und ich bin durch. Als erstes gehe ich zum Veitsdom, der Kathedrale des Erzbistums Prag und das größte Kirchengebäude Tschechiens. Ich kann mich jetzt nur an wenige Kirchen erinnern, die eine so unglaubliche Größe haben. Wenn man nach längerem Anstehen drinnen ist, bleibt einem schier die Luft weg angesichts der Ausmaße dieses Doms. Auch der Domplatz hat gewaltige Ausmaße, die wirklich beeindruckend sind. Ich schlendere weiter durch die Burganlage, wo es noch die St.-Georgs-Basilika und andere Dinge zu besichtigen gibt. Am Ausgang bietet sich dem Besucher ein grandioser Blick über Prag.

Ich gehe die Treppe den Berg hinunter. Nach einem guten halben Kilometer erreiche ich eine Tram-Haltestelle. Ich nehme die Nr. 22 zurück in die Stadt, fahre aber nur bis zur Haltestelle Újezd. Von dort aus ist es nicht weit zu dem Lokal Kolkovna Olympia (Vítězná 619/7, Praha 5), in dem ich zu Mittag essen möchte. Das Lokal wurde mir von zwei Pragern empfohlen, und ich kann mich deren Meinung nur anschließen. Ein Ambiente wie in einem Wiener Gasthaus mit freundlicher Bedienung und ausgezeichnetem Essen. Das Pilsener Gulasch mit Serviettenknödel und Kartoffelpuffer sowie ein Bier war meine Wahl. Das Ganze für umgerechnet 8,50 Euro. Unglaublich! Nur 1,80 Euro zahlt man für eine Halbe dieses wunderbaren Pilsener Urquells.

Gut gestärkt setze ich meinen Weg über die Brücke Most Legii fort. Ich mache noch einen Stopp auf der Moldau-Insel, die man von hier aus erreicht. Mit dem Aufzug geht es von der Brücke nach unten. Auf einer Bank mit schöner Sicht auf das Nationaltheater sitze ich noch eine Weile, bevor ich mich auf den Heimweg mache. Für heute reicht es. Jetzt werden die müden Beine lang gemacht.

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