Radtour von München nach Passau (228,1 km)

Vor einigen Jahren sind wir mit dem Rad von der Isar Quelle bei Scharnitz nach München geradelt. Wir hatten zwei Tage gebraucht für die 116 Kilometer lange Strecke. In Bad Tölz hatten wir damals übernachtet. Die Pension hatte schöne alte hohe Zimmer und lag direkt neben dem Alpamare.

Nun wollte ich natürlich auch noch den Rest des Isarlaufs bis zur Mündung in die Donau bei Deggendorf radeln. Da bot es sich doch an, gleich auf dem Donauradweg weiter bis Passau zu radeln. Lange hatte ich die Tour schon geplant und dann doch immer wieder verschoben. Mal war das Wetter zu regnerisch, mal war es zu heiß, ein anderes Mal wieder zu trocken oder es war zu warm oder zu kalt. Naja, Gründe gab es viele, aber jetzt hab ich es durchgezogen.

Sonntag, 20. August

Um exakt 10:28 Uhr starten Sabine und ich mit unseren gepackten Rädern in Aschheim. Zuerst mal über Fahrradwege nach Ismaning, das ist der kürzeste Weg von uns zur Isar, wenn man Richtung Norden unterwegs ist. In Ismaning fahren wir auf den Isar-Radweg, auf dem wir nun bis zur Isarmündung bleiben werden. Hinter Ismaning muß ich feststellen, dass der Isar-Radweg leider in keinem für das Fahrradfahren angenehmen Zustand ist – zumindest nicht für normale Straßenräder. Für Mountainbikes mit breiten Reifen und wenig Luftdruck mag es ja gehen. Es ist viel loser Schotter und Kies auf dem Weg, sodass man sehr achtsam fahren muß. Gott sei Dank bessert sich der Weg, sobald man bei Achering auf das linke Ufer der Isar wechselt. Um 12:40 Uhr erreichen wir nach 31 Kilometern Freising. Wir werden mit einem Blick auf den Dom zu Freising begrüßt.

Unser nächstes Etappenziel ist Moosburg, welches wir um 14:20 Uhr bei einem Kilometerstand von 51 km erreichen. Hier legen wir eine kleine Rast an einem Biertisch unter großen Kastanienbäumen ein. Ein Schild am Eingang verspricht jugoslawische Küche, und ich freue mich schon auf Ćevapčići, doch leider ist die Küche seit 14 Uhr selbst in der Mittagspause. So begnüge ich mich mit einem Wurstsalat und einem Radler. Um 15:15 Uhr schwingen wir uns wieder auf unsere Räder zur für heute letzten Etappe nach Landshut. Hinter Moosburg verläuft der Isar-Radweg etwas abseits des Flusses, dafür aber auf asphaltierten Wegen. Zwischen Moosburg und Spörerau, am Ausgleichsweiher, entdecken wir „Renate’s Film-Tier-Ranch“ mit vielen hübschen Tieren.

Die Isar sehen wir erst in Landshut wieder, wo wir um 17:15 Uhr unsere Unterkunft, das Michel-Hotel direkt an der Isar bei nun gefahrenen 72,2 Kilometern erreichen. Am Abend machen wir die wegen der stattfindenden Dult ziemlich leere Innenstadt unsicher. Unser Abendessen nehmen wir beim Hofreiter im Biergarten, der versteckt in einem heimligen Hinterhof liegt, ein. Es wird bayerisch/österreichische Küche geboten. Mein Knödel-Gröstel und Sabines Käseplatte kann man uneingeschränkt empfehlen.

Montag, 21. August

Nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel, der erhöhte Kalorienbedarf macht sich bemerkbar, starten wir um 10:15 Uhr. Der Isar-Radweg führt direkt am Hotel vorbei, was ausgesprochen praktisch ist. Unser heutiges Tagesziel ist Plattling, kurz vor der Isarmündung. Der Weg führt nun wieder an der Isar entlang, die öfter mal für ein Wasserkraftwerk gestaut wird. Hier hat man die Möglichkeit unterhalb der Dämme auf einem breiten Weg zu fahren oder direkt am Damm mit schöner Aussicht, dafür muss man aber einen schlechterem Weg in Kauf nehmen.

Hin und wieder versperren umgestürzte Bäume unseren Weg. Sie sind die Folgen des Unwetters der Vorwoche. Umgefallen sind aber durchweg kranke und morsche Bäume.

Auch die Landschaft ändert sich je weiter wir nach Norden kommen. Die Auenlandschaft mit vielen Tümpeln und kleinen Nebenarmen wird ruhiger und naturbelassener. Wir beobachten viele Schwäne, die sich hier sehr wohl fühlen.

Vom Kraftwerksbetreiber Uniper gibt es eine Fischaufstiegsanlage, die es den Flussfischen ermöglicht, zu geeigneten kiesigen Flachwasserbereichen zum Laichen und zu sicheren Winterlagern zu gelangen.

Das Atomkraftwerk bei Niederaichbach wirkt aus unserer Blickrichtung fast idyllisch. Aus dem Kühlturm steigt unentwegt weißer Wasserdampf bis hoch in den Himmel. Man hat schon gewußt, warum man das AKW  neben dem Fluss gebaut hat; der Kühlwasserbedarf muss enorm sein. Wegen der Hitzewellen im August 2003 und im Juli 2006 musste die Leistung reduziert werden, um die Temperatur der Isar nicht über die zum Gewässerschutz festgelegte Temperatur von 25 °C steigen zu lassen.

Weiter geht es vorbei an Dingolfing, Gottfrieding und Mamming. In Landau legen wir einen Halt ein, um in einer Eisdiele eine ordentliche Portion des Gefrorenen zu naschen. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zu unserem Tagesziel. Bei einem Halt kurz vor Plattling bemerke ich zu meinem Entsetzen, dass mein Vorderrad wackelt. Ich kann aber kurz darauf aufatmen, es hatte sich nur der Schnellspannhebel, wie und warum auch immer, gelöst. Um 18:00 Uhr treffen wir nach einer Gesamtfahrstrecke von 144,1 km an unserem Hotel „Belaggio“ gegenüber dem Bahnhof ein. Das waren heute also nochmals gute 72 Kilometer. Trotzdem machen wir noch einen Fußmarsch in die Innenstadt. Das von unserer Hotelfrau  empfohlene jugoslawische Restaurant hat leider Betriebsurlaub und so gibts statt der ersehnten Ćevapčići nur eine Pizza Diavolo.

Anschließend fallen wir todmüde in unsere Betten.

müde Radlerbeine

Dienstag, 22. August

Da uns heute nach Passau die längste Etappe bevorsteht, sind wir schon früh beim Frühstück und um 9:30 bereits wieder auf unseren Rädern. Als erstes geht es durch tolle Landschaften, vorbei am Infohaus Isarmündung und einer Schafherde, die gerade einen Damm kahl frißt, zur Isarmündung selbst, die wir um 11:45 Uhr erreichen.

Hier endet der Isar-Radweg. Wir radeln weiter und treffen bald auf den Donau-Radweg. Die Wege sind sehr schön zu fahren. Leider schmerzt schon seit gestern mein linkes Knie innen, wenn ich das Bein beim Treten strecke. Die Schmerzen werden schlimmer und mir wird klar, dass ich Passau so nicht erreichen werde. So zweigen wir vom Donau-Radweg ab Richtung Osterhofen, wo ich die örtliche Apotheke aufsuche. Die Apothekerin berät mich sehr gut, das Knie ist halt einfach überlastet. Ich erwerbe eine Packung Schmerzmittel und eine elastische Binde. Dazu bekomme ich eine Kalt-Kompresse direkt aus dem Kühlschrank geschenkt. Gleich darauf die Kompresse mit der Binde angelegt und die erste Kapsel geschluckt. Da die Wirkung der Heilmittel etwas dauert, konsumieren wir im benachbarten Eiscafe einen Eisbecher. Ich gönne mir ein Banana Split, Sabine ein Spaghetti Carbonara Eis.

Wir wollen jetzt nicht dorthin zurück, wo wir den Donau-Radweg verlassen haben, sondern direkt nach Pleinting, wo wir dann wieder auf den Donau-Radweg stoßen. Eine nette Dame am Nachbartisch erklärt uns den Fahrradweg dorthin, der größtenteils neben der Bahnstrecke lang führt. Vor unserer Weiterfahrt nehme ich noch einmal eine Tablette. Die Schmerzen im Knie sind bald kaum mehr zu spüren. Dass das meinem Knie nicht unbedingt gut tut, ist mir schon klar, aber ich will das Ziel erreichen.

In Sandbach fahren wir statt zur Fähre geradeaus weiter. Nach über zwei Kilometern bemerken wir unseren Fehler und müssen umkehren, denn diesseits der Donau geht es nicht weiter. Zurück an der Fähre betätigen wir die Klingel und nach kurzer Zeit kommt auch schon der Fährmann angeradelt und bringt uns für 1,50 € pro Person ans andere Ufer. Die Überquerung der Donau mit der Fähre ist ein tolles, wenn auch nur kurzes Erlebnis.

Nun geht es am linken Ufer weiter. Wieder behindern ein paar umgestürzte Bäume unseren Weg. Sie lassen sich aber mit mehr oder weniger Anstrengungen umschiffen. Die Autobahn A3 über die Donau verrät uns, dass Passau nicht mehr weit sein kann.

Über das riesige Wasserkraftwerk wechseln wir wieder zum rechten Donauufer.

Vor dem Bahnhof von Passau buchen wir mit dem Handy übers Internet unser Hotel für die heutige Nacht. Aus der Not heraus wird es das in der Altstadt gelegene Hotel „Am Paulsbogen“. Man gönnt sich ja sonst nichts. Der Blick aus dem Fenster auf die Donau und die Schiffe ist beeindruckend.

Es ist spät geworden heute. Die Tagesetappe mit 84 Kilometer war die längste bisher. Am Hotel kommen wir um 19:30 Uhr an. Unsere Tour München – Passau endet hier nach einer Gesamtstrecke von 228,1 Kilometer. Um die Reserven aufzufüllen gehen wir zum Abendessen in den nahe gelegenen Gasthof „Drei Linden“, wo ich einen der besten Burger, die ich je gegessen habe, serviert bekomme.

Mittwoch, 23. August

Heute geht es wieder zurück nach Hause, allerdings mit dem Zug. Wir machen noch einen kleinen Einkaufsbummel, bevor wir im Hotel auschecken. Im Anschluss bestehe ich auf ein Foto am Dreiflüsseeck mit meinem Fahrrad. Zwar ziemlicher Touristenkitsch, aber ich bin so stolz, dass ich die Tour geschafft habe, dass ein Foto her muss.

Am Innufer geht es zurück. Über die Nikolastraße, den Ludwigsplatz und die Bahnhofstraße erreichen wir die Station. Unser Zug geht um 13:16 Uhr. Um dem Trubel am Münchner Hauptbahnhof auszuweichen, steigen wir in Freising aus und fahren weitere mehr als 30 Kilometer mit dem Rad nach Hause. Das war keine gute Idee, stelle ich unter quälenden Schmerzen auf den letzten Kilometern fest. Das Knie schmerzt wieder, der Hintern tut mir weh und am rechten Handballen habe ich eine Blase. Um 18 Uhr steige ich todmüde aber glücklich nach 262,7 gefahrenen Kilometern vom Rad.

Meiner Mitstreiterin fehlt nichts, aber auch sie ist froh, zuhause die Füße hochzulegen und will vom Radfahren heute nichts mehr wissen.

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Radfahren abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.