Blue Chicago

CIMG3811-sloretoVor der Tür sitzt ein gewaltig dicker Schwarzer (Oops, politisch korrekt natürlich ein gut genährter Afroamerikaner) und kassiert 8 Dollar Eintritt für das heutige Musikerlebnis. Es ist zehn nach acht und wir sind – wie damals in New Orleans – die ersten Gäste in diesem Juke Joint. Das hat den Vorteil der uneingeschränkten Platzwahl. Wir setzen uns an die Bar mit Blick zur Bühne, bestellen Bier und schauen den Musikern beim Aufbauen zu. Schnell füllt sich das Lokal und als pünktlich um neun die ersten Takte gespielt werden, gibt es keinen freien Sitzplatz mehr.

Drei nicht mehr ganz junge schwarze Männer mit Schlagzeug, Bass, Gitarre und eine Pianistin heizen dem Publikum ordentlich ein. Der Bassist ist gleichzeitig Sänger und hat eine gute Stimme. Die junge Frau am Klavier sieht aus als käme sie direkt vom Konservatorium, aber sie haut in die Tasten wie der Teufel. Die hat den Blues im Blut. Wie mag diese junge Frau mit eindeutig asiatischen Wurzeln wohl zu dieser Bluesband gekommen sein? Das Bild ist irgendwie schräge, aber das musikalische Ergebnis passt.

Nach vier, fünf Songs betritt die Sängerin die Bühne, eine ältere, unscheinbare Person, deren bevorzugtes Getränk an diesem Abend Kamillentee ist und wieder mal ein Beweis, dass man den Menschen nicht ansieht, was in ihnen steckt. Sie singt toll, feuert das Publikum zum Klatschen, Singen und Tanzen an und diese Reaktion befeuert wiederum sie und die Band. Mittlerweile ist das Lokal gesteckt voll, die Stimmung super. Zu den Touristen, die schon früh da waren, haben sich Chicagoer aller Altersklassen und Hautfarben gesellt. Nach einer Pause, in der CDs verkauft werden und sich die Käufer mit der Sängerin fotografieren lassen, geht die Party weiter. Der Saal kocht. Alles klatscht, singt, tanzt. Der einzige, der unbeeindruckt bleibt, ist der Barkeeper, der dieses Spektakel täglich mitmacht. Um kurz vor Mitternacht beschließen wir, uns auf den Heimweg zu machen, denn unser Hotel liegt ein gutes Stück vom Blue Chicago entfernt.

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