Stroke-Unit (09.- 11.08.12)

Genau kann ich mich nicht mehr erinnern, was wann passierte, aber ich will es trotzdem eine Zusammenfassung der Ereignisse versuchen. Nachdem ich Donnerstagmorgen gewaschen worden war, man mir an einem Arm die Infusion, am anderen die Blutdruckmessmanschette, einen Gummifinger zur Messung des Puls und des Gehaltes an Sauerstoff an der Hand, an der Brust die Kabel für das EKG angelegt hatte, konnte ich noch ein bisschen schlafen. Als ich gegen Mittag wieder wach wurde, wurde mir bewusst, dass meine linke Körperhälfte gelähmt war. Meine Gedanken spielten verrückt. Was ist, wenn das so bleibt? Wie wird mein Leben dann aussehen, macht das alles überhaupt noch Sinn? Ich glaube, in ein tieferes Loch kann man kaum mehr fallen. Zu jedem Bissen, den ich zu essen bekomme, muss ich mich zwingen. Ich habe absolut keinen Appetit. Gefangen im Krankenbett, angewiesen auf die Hilfe anderer, was schlimmeres kann man sich kaum vorstellen. Und dann noch ein Arzt aus Ex-Jugoslawien, der sagt:“Heben sie mal das linke Bein“. Als ich das nicht kann, war sein einziger Kommentar: “Das wird dann wohl nichts mehr“. Später erzähle ich der Schwester davon, die nur die Augen verdreht. Der Mann ist wohl schon bekannt für seine mitfühlende Art.

Aber er ist eine Ausnahme, denn hier auf der Stroke-Unit, der Spezialabteilung für Schlaganfälle, herrscht ein ausgesprochen freundlicher Umgang. Die Schwester kommen alle Naslang ins Zimmer, schauen nach dem Rechten und kümmern sich um dies und das. Und in der Gruppe der netten Pflegerinnen ist Schwester Karo die sympathischte.

Am selben Tag war auch eine Logopädin da und hat mich wegen der Schluckschwierigkeiten auf grob pürierte Kost gesetzt. Gegen meine Sprachschwierigkeiten gibt es spezielle Gesichtsübungen, die ich konsequent mache. Und zu Sabines Besuchen schneiden wir gemeinsam Fratzen.

Freitag – oder ist es schon Samstag? – kommt zum ersten Mal die Krankengymnastin. Sie sieht sich alles an und macht mir Mut. Eigentlich machen mir alle Mut. „Das wird wieder, aber man braucht Geduld“. Langsam kommen Zuversicht und Vertrauen wieder zurück.

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