Bei den Kümmelbauern in der Oberpfalz (04.08.12)

Es ist Freitag und ich bin mit dem Packen meiner Sachen für drei Tage fertig. Gleich wird Sabine vom Einkaufen kommen und dann fahren wir los. Es geht nach Preppach zu unseren Freunden Anja und Roman, die dort seit einigen Jahren einen Hof mit allerlei Biogetreide und -kräutern bewirtschaften, was ihnen den Titel der Kümmelbauern eingebracht hat.

Großzügig rechnen wir mit zwei Stunden Anfahrt für die 190 Kilometer mit dem Anhänger fürs Feuerholz, doch die Rechnung haben wir ohne die vielen Holländer, Norweger und die anderen Bundesländer gemacht, die alle aus den Ferien zurückkehren. Kurz nach München ist Schluss mit „Fahren auf der Autobahn“. Teilweise müssen wir sogar den Motor abstellen, es geht überhaupt nichts mehr. Ich versuche auf die Bundesstraße auszuweichen, aber auch da stehen wir im Stau. Bis Freising brauchen wir eineinhalb Stunden. – unglaublich. Für sechs bis sieben Uhr hatten wir uns angekündigt, aber es wird halb Acht – ganze 3,5 Stunden haben wir bis ans Ziel gebraucht. Ich glaube, Roman war darüber nicht ganz unglücklich, denn sein Schweinebraten musste noch ein bisschen im Ofen verweilen.

Als wir ankommen, ist also der Küchenchef mit den letzten Vorbereitungen für das Abendessen beschäftigt: Noch ein bisschen Soße verfeinern und der Kruste des Schweinebratens die ultimative Knusprigkeit verleihen. Die Semmelknödel sieden schon im Topf, und mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Das Bratenfleisch ist von der im vorigen Jahr selbst gefütterten Sau. Mehr Bio geht nicht mehr. Was soll ich noch sagen? Es schmeckt so gut, dass ich zwei Stücke Fleisch und zwei Knödel esse, abgesehen von dem Stück Kruste, das wir vorher probierten. Danach sitzen wir noch einige Zeit beisammen, bis wir in unsere Betten gehen.

Am Samstag wollen wir uns nach dem Frühstück um den Alpaka-Stall kümmern. Der muss mal gereinigt werden. Das noch gute Stroh bringen wir auf der einen Seite ins Freie, das kommt später zu den Schweinen, und dann wird der Rest auf dem Misthaufen entsorgt. Dies geschieht mit dem Traktor, der vorne eine Ladeschaufel dran hat. Anja fragt mich, ob ich so ein Teil fahren kann und ich antworte mit: „Nein“. Da es mich aber doch interessiert, frage ich Roman ein wenig später, ob er mir dieses landwirtschaftliche Nutzfahrzeug erklären kann. So bekomme ich meine ersten Weihen im Fahren mit so einem Traktor. Es ist gar nicht so  schwer. Vorwärts-/Rückwärts-Wählhebel, ein Hebel für langsam und schnell und der Joystick für die Schaufel. Geht ganz gut. Natürlich bin ich sehr vorsichtig, nicht, dass ich mit der Schaufel versehentlich irgendeine Hütte niederreiße. Langsam gewöhne ich mich an das Fahren und so karre ich den ganzen Mist aus dem Stall. Danach kommt der Dampfreiniger zum Einsatz. Das macht Spaß, ich spritze Wände und Boden ab, bis alles ordentlich und sauber ist. Mit dem Traktor hole ich die erste Schaufel mit frischem Heu zum Einstreu aus der Scheune und dann dürfen die Alpakas, die die ganze Zeit vor der Tür standen und jammerten, endlich wieder in ihren Stall. Als ich die Stalltür für sie öffne, strecken sie neugierig ihre langen Hälse herein. Ganz erstaunt begutachten sie die Veränderungen, bevor sie ihren gesäuberten Stall wieder betreten. Offensichtlich fühlen sie sich dabei sehr wohl.

Zwischenzeitlich ist Roman auf eines der Felder zum Haferdreschen gefahren. Der Fendt-Traktor steht vor dem Speicher, wo gerade der Hänger entladen wird,  als Anja fragt, ob ich nicht rausfahren und den anderen Hänger holen könne. „Klar, kein Problem“, sage ich und los geht es. Beim Ankuppeln des Hängers hilft mir noch Florian aus dem Nachbarort, denn woher soll ich Ahnung von der Kupplung und dem Hydraulikschlauch haben. Aber ich sehe mir alles an, damit ich es beim nächsten Mal alleine kann. Dann fahre ich mit ein paar Tonnen Hafer auf dem Hänger Richtung Hof. Geht alles wunderbar, verkehrt am Hof reingeschoben, abgeladen. Das Wetter paßt und so fährt Anja, mittlerweile mit Golf und Sabine auf dem Feld eingetroffen, mit dem Mähdrescher auf die nächste Fläche. Roman erklärt mir den Weg dorthin, und ich fahre mit dem leeren Hänger wieder los. Das Feld ist ganz schön schräg, aber wenn man langsam fährt, ist es für Traktor auch mit Hänger kein Problem. So stelle ich mich in die Reihe hinter den Fendt und einem Trecker, der einem helfenden Nachbarn gehört und warte darauf, bis Anja vorbeikommt und auch meinen Hänger mit Hafer füllt. Sabine fährt auf dem Mähdrescher mit. Wir hören am Abend auf, das Feld ist noch nicht ganz abgeerntet, aber es reicht für heute. Schnell nach Hause und unter die Dusche, bevor es auf das Fest der Freiwilligen Feuerwehr geht. Dort sind wir aber um 22 Uhr wohl etwas spät, jedenfalls was das Essen angeht. Die netten Leute holen noch mal Würstchen für uns, damit wir nicht verhungern. Nach zwei Bier sind wir dann so hundemüde, dass wir uns Richtung Heim und Bett verholen, wie der Seemann sagen würde.

Ich habe tief und fest geschlafen in dieser Nacht. Sonntagmorgen regnet es ein wenig und so lassen wir es ruhig angehen. Nach dem wirklich wichtigen Genuß eines Kaffees wollen wir den Misthaufen wegbringen.

Roman fragt: „Willst Du mal mit dem Fendt fahren“?

„Ja, ähh, ich weiß nicht“?

„Komm, ich zeige es Dir, ist nicht schwer“.

Also bekomme ich eine Kurzeinweisung für diesen Traktor. Ich denke, ich bin irgendwo im Spacelab oder so. Nur Computer, gefühlt an die tausend Knöpfe für dies und jenes, Joystick und ich weiß nicht, was noch alles. Das Gerät denkt mit und überwacht, ob des Fahrers Befehl auch möglich sein kann. So fahren wir den Mist, den wir auf dem Hänger haben, ein paar Kilometer weiter neben einen Acker. Langsam macht es mir Spaß, mit dem Ding zu fahren. Wenn man mal die Grundfunktionen kennt, geht alles ganz gut. Man muss schon ein Gefühl für Bremse und Gas entwickeln und auch das Abkippen des Hängers will gelernt sein.

Das Wetter wird besser und Roman beschließt, den Rest des gestrigen Feldes abzuernten und danach noch ein anderes Feld. Ich habe mittlerweile schon den Hänger angehängt, abgehängt, zur Seite gestellt, wieder geholt und ich weiß nicht, was noch alles. Fühle mich schon ganz wohl beim Treckerfahren. So lenke ich den Schrecken der Sonntagsfahrer raus zum Feld, bringe die Ernte heim, lade ab, bevor es mit zwei Traktoren plus Hängern wieder raus geht zu dem letzten Haferfeld. Anja fährt vor, da ich den Weg nicht kenne, und dann parken wir hintereinander auf dem Feld und warten auf unsere Beladung.  Als wir abends wieder zurück auf dem Hof sind und alles abgeladen haben, sind unsere Kümmelbauern sehr glücklich, ihre ganze Haferernte im Speicher zu haben. Damit hatten sie nicht gerechnet.

Nach einem schönen Abendessen vom Grill müssen wir uns leider von den beiden verabschieden und Richtung Heimat aufbrechen. Die Rückfahrt in der Nacht mit dem Hänger voller Buchenholz, Wintervorrat für unseren Ofen, wird noch recht anstrengend, aber um 23:30 Uhr sind auch wir glücklich und total müde daheim angekommen.

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3 Antworten zu Bei den Kümmelbauern in der Oberpfalz (04.08.12)

  1. brigittaindia2011 schreibt:

    WOW – Sabine, die Mistgabel steht Dir gut. Ein beeindruckendes Wochenende!

  2. Roman schreibt:

    Solche Helfer kann mann nur weiterempfehlen, bzw. die beiden können jeder Zeit wieder kommen zum Helfen. Lernen schnell und scheuen keine Arbeit oder Dreck.

    Anja & Roman (die kümmelbauern)

  3. Roman schreibt:

    Gerhard wollte sich für die USA im Zaunbau üben, doch leider hat er Fendt fahren müssen!
    Sabine kann jetzt dafür Zaun bauen, denn am Sonntag haben Anja und die Sabine das halbe Alpakagehege neu eingezäunt.

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