Messer schmieden (22.07.12)

Bis gestern wusste ich noch nicht, dass es in unserer Nachbargemeinde Kirchheim ein kleines Freilichtmuseum gibt, den Bajuwaren Hof. Versteckt neben der Autobahn hinter einer Lärmschutzwand ist er für den Wanderer oder Radfahrer kaum zu entdecken. Da ich aber heute dort meinen Grundkurs im Schmieden hatte, sind wir gestern los geradelt, um eine Orientierung zu bekommen.

Auf dem Hof gibt es in einem Schuppen eine kleine Schmiede. Das ist der Ort für meinen Schmiedekurs. Außer mir gibt es zwei andere Teilnehmer, einen jüngeren Mann und eine Dame, die bereits Erfahrung im Goldschmieden hat. Arne, der Schmied, begrüßt uns herzlich und übergibt uns, bevor er die Schmiedefeuer schürt, unsere Ausrüstung: Eine Schürze aus Leder und Handschuhe aus gleichem Material. Wir werden mit den Gerätschaften, der Esse, dem Amboss und dem Schmiedehammer vertraut gemacht. Danach zeigt uns Arne das Rohmaterial. Drei alte Drehmeißel, kleine, viereckige Eisenstück von besonderer Härte, aus denen wir unsere Messer schmieden werden. Arne schürt das Schmiedefeuer aus einer Mischung aus Holzkohle und Steinkohle, bis es die Hitze, die wir für unsere Arbeit brauchen, hat. Nachdem der Stahl kurze Zeit auf der Kohle liegt und wir mit dem Gebläse mit Fußbetrieb richtig Gas geben, können wir ihn rotglühend entnehmen. Arne warnt uns, den Stahl nicht zu heiß werden zu lassen, da er sonst verbrennen würde. Leider zu spät, mein erstes Stück Eisen ist gerade hinüber. Arne reicht mir einen zweiten alten Drehmeißel und ich beginne wieder von vorn. Die Flammen in der Esse lodern und ich schlage mit dem schweren Schmiedehammer auf mein Werkstück ein. Langsam nimmt es Form an, wird länglich und schmal. Ich schmiede das Heft, das Teil, das in den Griff kommt. Ich arbeite noch einmal an der Form des Messers und will langsam die Schneide schmieden, als es passiert: Ich lege Kohlen nach und der schon dünn geschmiedete Stahl verbrennt an einer Stelle. Da ist nichts mehr zu machen und ich bin ziemlich geknickt. Aufhören und heimfahren ist mein erster Gedanke.

Also, alles noch mal von vorne. Die Füße schmerzen vom Treten des Gebläses und die Arme vom Zuschlagen mit dem Schmiedehammer, aber ich beiße die Zähne zusammen. Das kann doch nicht sein! Ich muss komplett neu beginnen. Aber in diesem Missgeschick liegt auch eine Chance. Ich kann alle Arbeitsschritte noch einmal üben. Ich werde dafür mit dem schönsten Messer des heutigen Tages belohnt und bin sehr zufrieden, etwas mit meinen eigenen Händen geschaffen zu haben.

PS.: Das fertige Messer hat zwar schon seine Schneide, muß aber noch geschliffen, poliert und ein Griff montiert werden!

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