Mein Rundflug mit der Ju-52 (30.09.11)

Oder: Der Wahnsinn hat einen Namen.

9 Zylinder Sternmotor

Ich war schon ca. 2 Stunden vor meinem Termin am Flugplatz in Oberschleißheim, denn ich wollte schon ein bißchen Flugplatz-Atmosphäre schnuppern, bevor es losging und es gibt da auch einen netten schattigen Biergarten direkt neben dem Flugfeld. Die Ju-52 war noch nicht eingetroffen, da sie wegen Nebel am Bodensee erst verspätet in der Schweiz starten konnte. Ich mußte aber nicht lange warten bis sie angeflogen kam. Es herrschte leichter Ostwind, also Anflug vom Westen. Man denkt, sie stürzt gleich ab, so langsam fliegt sie. Die Landegeschwindigkeit ist 110 km/h. Bei diesem Tempo würde ein Airbus wie ein Stein vom Himmel fallen. Nach 350 m kommt sie zum Stehen. Sie drehte um, kam zurück und parkte am Beginn der Rollbahn. Ich machte die ersten Fotos. Beeindruckend, wie sie so da steht. Ich war erst auf den zweiten Rundflug gebucht und hatte so noch Gelegenheit, vom Start und der anschließenden Landung des ersten Fluges Fotos zu machen.

Einsteigen und Platz nehmen

Wir gingen zu Fuß raus zur Startbahn. Ich war sehr aufgeregt. Ich habe sie vor dem Einsteigen berührt, ihr über einen der Flügel gestrichen und prompt ölige Finger gehabt. Aha, der Backbordmotor verliert also etwas Öl. Man klettert über eine Art Hühnerleiter in die Maschine. Es ist Platz für 17 Passagiere, 2 Piloten und eine Flugbegleitung. Jeder bekommt einen Fensterplatz. Fußfreiheit gibt es nicht wirklich, aber bequeme Sitze.

Nach einer kurzen Einführung durch den Flugbegleiter, was uns so alles erwartet, wurde es Ernst. Den Piloten konnte man, da es keine Tür zum Cockpit gibt, bei der Arbeit zusehen. Es wurde uns auch freigestellt, jederzeit während des Fluges ins Cockpit zu gehen und uns da umzusehen. Als erstes kam das Anlassen der Motoren. Einer nach dem anderen. Das ist für sich schon ein unglaubliches Erlebnis. Ein Höllenlärm, die ganze Maschine zittert. Jeder der drei BMW 132 A/3,  9 Zylinder-Sternmotoren leistet 660 PS bei 2050 U/min. Man kann jedes PS förmlich fühlen. Einen Schalldämpfer gibt es nicht, ein kurzes Rohr genügt. Die Motoren gönnen sich dafür auch eben mal 140 Liter Sprit pro Stunde, wohlgemerkt pro Motor.

Jetzt ging es los. Linkes Rad bremsen, Steuerbordmotor hochfahren und die Maschine dreht sich in Richtung Rollbahn. Einmal kurz runter auf Standgas und dann schiebt der Pilot die Gashebel der drei Motoren nach vorne. Der Lärm der Motoren wird nun auch noch durch das Geräusch der Propeller angereichert. Nach 400 m Strecke, man merkt es kaum, ist die Maschine in der Luft. Man fragt sich, ob sie eigentlich genug an Höhe gewinnt oder ob wir gleich gegen irgendeinen Baum fliegen. Die maximale Steiggeschwindigkeit der Ju-52 von 4,0 m / sec ist ja auch nicht gerade atemberaubend. Als erstes überfliegen wir Unterföhring. Das Allianz-Gelände und das Heizkraftwerk im Süden sind schön zu sehen. Als nächstes taucht an der linken Seite der Speichersee auf. Unser Kurs ändert sich jetzt nach Süden und wir überfliegen Aschheim. Bei einer Reiseflughöhe von ca. 420 m kann man viele Details am Boden erkennen. So sehe ich z. B. das Haus, in dem ich wohne und mache ein Foto davon. Es geht jetzt weiter Richtung Süden über Wolfratshausen und den Starnberger See. Über der Mitte des Starnberger Sees ändert sich unser Kurs Richtung Westen vorbei am Kloster Andechs und weiter zum Ammersee. Ich sehe im Süden den Steg, an dem mein Boot liegt. Jetzt wird es Zeit für einen Besuch im Cockpit, den Piloten bei der Arbeit zusehen. Mit den Piloten sprechen ist leider nicht nur wegen der Kopfhörer, die sie tragen, sondern auch wegen des unglaublichen Lärms nicht möglich. Der Flugbegleiter hat die ganze Zeit Ohropax in den Ohren. Ich bewundere die Instrumente, die hölzernen Steuerräder, einfach alles. Kein Autopilot oder andere Hilfsmittel, die Piloten müssen richtig steuern. Man merkt jedes Luftloch und jede kleine Bö. Jetzt fliegen wir wieder nach Norden vorbei an Fürstenfeldbruck über die A99 nach Oberschleißheim. Der Landeanflug bedeutet für die beiden Piloten richtige Arbeit. Einer hat beide Hände an den Gashebeln der Motoren, während der andere das hölzerne Trimmrad an der Seite des Pilotensitzes bedient, um die Maschine auszutrimmen. Es wurde eine perfekte Landung. Man hörte sogar das Quietschen der Reifen bei der ersten Bodenberührung.

Schade, dass der gut 50-minütige Flug schon vorbei sein soll. Ich bin vollkommen aufgelöst. Ich bleibe noch länger neben der Maschine stehen, bevor ich mich wieder in Richtung Biergarten begebe und dort noch eine ganze Weile sitzen bleibe.

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